Crack Up

Früh übt sich...

(Interview mit Tim Schnetgöke, Mai 1996)

Daß Death Metal-Fans und auch -Musiker im Normalfall etwas jünger sind als der hartmetallische Durchschnitt, ist ja nichts neues. Daß allerdings eine Band wie CRACK UP, deren Durchschnittsalter gerade mal zwanzig Jahre beträgt, mit ihrem Debut "Blood Is Life" eine derart ausgereifte Produktion hinzulegen versteht, ist jedoch schon erwähnenswert. Ein Grund mehr, mit Tim, Basser und Vocalist dieser hoffnungsvollen Combo aus Hünxe, zu plaudern.

Tim, seit wann existieren CRACK UP, und was habt ihr bis heute auf die Beine gestellt?

Los gings mit der Band bereits Ende der Achtziger, als viele der heute erfolgreichen Death Metal-Bands gerade ihre Debuts veröffentlichten. Unser Schlagzeuger Frank und ich kauften uns damals so ziemlich alles aus diesem Bereich, und dann entwickelte sich auch recht schnell die Idee, eine eigene Band ins Leben zu rufen. Damals war das allerdings mehr so Trallala, mit drei mal proben in zwei Jahren oder so. Im Januar 92 stieg dann Dirk als Gitarrist in die Band ein, und ein halbes Jahr sp├Ąter nahmen wir bereits unser erstes Demo auf, "Endless Coma", was noch unter dem Bandnamen ROTTING MISERY firmierte. Das war allerdings mehr etwas für uns selbst, um mal in ein Studio reinzuschnuppern. So wurden von dem Ding auch ganze hundert Stück gefertigt. Bis auf diverse Live-Auftritte lief danach auch nicht besonders viel. Im Januar 94 kam dann Helvin als zweiter Gitarrist dazu, und im Herbst waren wir soweit, wieder in ein Studio gehen zu können. Das Ergebnis war unser zweites Demo, welches sowohl in der Presse als auch bei den Fans sehr gut ankam, wobei man natürlich als Demoband seinen Fankreis nicht unbedingt richtig einschätzen kann. Aber wir haben über tausend Stück verkauft, und die Reaktionen darauf haben uns zu weiteren Taten ermutigt, so daß wir im Sommer 95 erneut ins Studio gegangen sind. Wir wollten ursprünglich wieder im Big House-Studio aufnehmen, in dem auch das Demo entstanden war, aber die haben uns da einen ganz dubiosen Deal vorgeschlagen. So genau weiß ich jetzt auch nicht mehr, wie das damals ablief. Sie sagten uns, daß sie uns einen Plattenvertrag besorgen wollten, aber im Endeffekt stand da eine ganz komische Abzockerei dahinter. Wir ließen also lieber die Finger davon und gingen ins Stage 1-Studio von Andy Classen, den uns unser Manager empfohlen hatte und mit dem wir im Nachhinein auch voll zufrieden sind.

Nun dauerte es aber offensichtlich noch recht lange, bis das Album wirklich rauskam.

Wir standen zunächst mit einem anderen Label in Kontakt, das an uns interessiert war und in das wir auch große Hoffnungen steckten. Aber die Verhandlungen haben sich ziemlich in die Länge gezogen, ohne daß wir auf einen gemeinsamen Nenner gekommen wären. Und als sie uns dann im Dezember 95 noch eröffneten, daß sie unser Album erst im Juli veröffentlichen können oder wollen, wurde uns klar, daß das Interesse an uns wohl doch nicht so groß sein kann. Dumm war nur, daß wir uns auf diese Firma verlassen hatten und erst danach wieder anfingen, Promotapes an andere Leute zu verschicken. Einer dieser Leute war ein Fanzine-Macher, der - was wir vorher allerdings nicht wußten - bei We Bite Records arbeitet, und so kam es am Ende zu unserem Vertrag mit We Bite, wo die Scheibe im März dann erschienen ist.

Nun ist der Death Metal ja heutzutage nicht mehr so populär wie Ende der Achtziger, und der Markt ist vermutlich gesättigt...

Das Problem beim Death Metal ist, daß einfach zu wenig Qualität rauskommt. Die meisten Bands sind gerade mal Durchschnitt. Aber egal, ob es sich jetzt um Death Metal oder sonst eine Musik handelt: Was den Erfolg bestimmt, das sind die Songs an sich. Die müssen gut sein, richtig gut, und sie müssen Charakter haben. Und ein logischer Aufbau muß vorhanden sein. Und das bezieht jetzt alle Instrumente, vom Schlagzeug über die Gitarren bis zu den Gesangslinien, mit ein.

Und wie entstehen die Songs bei euch?

Die Riffs kommen meist von unseren Gitarristen, dann spielen wir alle zusammen so'n bißchen rum, und ich ordne das Ganze nachher irgendwie zu'm Song. So ist das bisher immer gelaufen.

Jetzt wissen zumindest alle Musiker unter den Lesern, wie man "richtig gute" Songs schreibt. Hoffe ich doch. Die Texte scheinen mir dagegen nix Besonderes zu sein.

Ja, das kann man schon irgendwie so sehen. Ich meine, es kommt halt auf die Wortwahl an. Die Texte als solche müssen jetzt nicht irgendwie 'n höheren Sinn haben, weder politisch noch sonstwie. Ich drücke einfach die Erlebnis- oder Gefühlsextreme der Durchschnittsmenschen aus, zu denen ich mich denn auch zähle. Dazu benutze ich dann möglichst gutklingende Worte, die in den Kontext passen, aber von mir in erster Linie eben deshalb benutzt werden, weil sie einfach gut klingen. Für mich persönlich sind die Texte jedoch mehr als nur Füllwerk, weil ich ja auch persönliche Erfahrungen darin unterbringe. Wobei das eigentlich ganz normale Alltagsgeschichten sind, die irgendwie auf jeden zutreffen. Eine Sache, die mir gerade einfällt, ist zum Beispiel, wenn man aus irgendeinem läppischen Grund riesige Haßgefühle gegen irgendjemanden hat.

Schmiedet ihr momentan irgendwelche Zukunftspläne?

Wir hoffen natürlich, daß wir auf irgendeine Tour aufspringen können, und daß We Bite uns da auch unterstützen. Irgendeinen Wunsch-Headliner können wir in unserer Situation aber wohl kaum verlangen, da wir als Newcomer ja eigentlich nehmen müssen, was kommt. Hauptsache, die Band zieht Leute. Klar, am besten wäre eine Band wie beispielsweise BOLT THROWER, mit denen wir zwar nicht von den Songs, aber doch vom Sound her irgendwie vergleichbar sind. Ich kann mir zumindest vorstellen, daß Leute, die BOLT THROWER hören, auch irgendwas an uns gut finden.

Restless


Mittlerweile (Oktober 96) haben die Jungs auch eine eigene Homepage im Internet. Schaut mal rein!

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